Gustav-Stolper-Preis
1. ZIEL DES PREISES
Der Gustav-Stolper-Preis des Vereins für Socialpolitik soll hervorragende Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen auszeichnen, die mit Erkenntnissen wirtschaftswissenschaftlicher Forschung die öffentliche Diskussion über wirtschaftliche Zusammenhänge und Probleme beeinflusst und wichtige Beiträge zum Verständnis und zur Lösung ökonomischer Probleme im internationalen Vergleich geleistet haben.
2. KRITERIEN FÜR DIE AUSWAHL DER PREISTRÄGER/INNEN
Die Auswahl der Preisträger/innen erfolgt anhand der folgenden Kriterien:
- Inhaltliche Kriterien:
- Die Preisträger/innen haben eine wesentliche Kommunikationsleistung
außerhalb des Wissenschaftsprozesses (d. h. entweder in der breiten
Öffentlichkeit oder in der politischen Praxis) erbracht.
- Die Kommunikationsleistung hat wissenschaftliche ökonomische Erkenntnisse
zum Inhalt.
- Die wissenschaftlichen Erkenntnisse sind im Idealfall das Ergebnis
eigener Forschung.
- Die Leistung der Preisträger/innen kann auch in der Umsetzung und
Anwendung vorhandener Erkenntnisse, Modelle, Theorien auf aktuelle Problemstellungen
bestehen.
- Die Beiträge haben Einfluss auf die politischen Entscheidungen bzw.
auf die Diskussion in der Politik, in der Medienlandschaft oder in der
breiten Öffentlichkeit.
- Weitere Kriterien bezüglich der Preisvergabe:
- Es sollte ein Bezug zum Verein für Socialpolitik vorliegen - entweder
durch die Mitgliedschaft beim Verein für Socialpolitik oder durch die
Zuordnung zum deutschsprachigen Raum.
- Der Preis wird unabhängig vom Alter der Preisträger/innen verliehen.
Wissenschaftler/innen können den Preis nur einmal erhalten.
3. ART DES PREISES
Der Preis wird einmal jährlich bei der Jahrestagung des Vereins für Socialpolitik
vergeben. Er kann auf mehrere Personen aufgeteilt werden, wenn diese die maßgeblichen
Arbeiten gemeinsam erbracht haben. Das Preisgeld beträgt € 5.000,-.
4. AUSWAHLMODUS
Stufe 1: Anhand einer Ausschreibung (e-mail an alle Mitglieder des Vereins für
Socialpolitik und/oder Information in den Medien) wird eingeladen, potenzielle Preisträger/innen samt einer kurzen Würdigung der besonderen Verdienste
der Kandidaten im Sinne des Preises vorzuschlagen. Eigenbewerbungen sind zugelassen.
Stufe 2: Eine Auswahlkommission (Mitglieder des Vereins für Socialpolitik, Vertreter der Medien, Mitglieder von Wirtschaftsforschungsinstituten) wählen aus diesen
Vorschlägen fünf Kandidaten aus, die den Kriterien des Preises entsprechen (= Short
List). Innerhalb der Short List trifft die Kommission keine Reihung. Die Kommissionsmitglieder
können auch eigene Vorschläge einbringen. Einzelne Personen können auch mehrmals
für die Short List nominiert werden. Die Kommission muss die Leistung jedes vorgeschlagenen Kandidaten charakterisieren und würdigen.
Stufe 3: Die Mitglieder des Vereins für Socialpolitik stimmen über die fünf
Namen in einer Mehrheitsabstimmung ab. Jedes Vereinsmitglied hat eine Stimme.
Stufe 4: Das Ergebnis der Abstimmung wird im Rahmen der Jahrestagung des Vereins für Socialpolitik bei der Preisverleihung öffentlich gemacht.
5. ZUM NAMEN DES PREISES:
Gustav Stolper wurde am 25. Juli 1888 in Wien geboren. Sein Studium der Volkswirtschaft
und Rechtswissenschaften schloss er 1911 mit der Promotion ab. Im Jahr 1913
wurde er Mitherausgeber des "Österreichischen Volkswirts". Er
errang sich in Fragen und Problemen der Wirtschaft eine immer einflussreichere
Stellung und war als österreichischer Delegierter im Jahre 1919 an den
damaligen finanziellen Anschlussverhandlungen beteiligt. Im Jahr 1925 verlegte
er seine wirtschaftsjournalistische Laufbahn nach Berlin, wo er von 1925 bis
1926 als Chefredakteur des "Berliner Börsen-Couriers" tätig
war. In dieser Zeit gründete er die deutsche Wochenschrift "Der Deutsche
Volkswirt, Zeitschrift für Politik und Wirtschaft". Er war Vorstandsmitglied
in der Deutschen Demokratischen Partei und zog bei den Wahlen 1930 als Spitzenkandidat
der neu gegründeten Staatspartei in den Reichstag ein. Mit der Machtergreifung
durch Hitler emigrierte Stolper mit seiner Familie in die USA, wo er unter anderem
als wirtschaftspolitischer Berater bei der von Herbert Hoover geleiteten Untersuchungskommission
(fact finding mission) bezüglich der wirtschaftlichen Nachkriegssituation
in Deutschland und Österreich tätig war. Stolper verstarb am 8. Dezember
1947 in New York. Neben seiner Tätigkeit als Chefredakteur und Herausgeber
verschiedener einschlägiger volkswirtschaftlicher Zeitschriften zeugen
auch eine Reihe von Publikationen ("Das Mitteleuropäische Wirtschaftsproblem",
"Deutschösterreich als Sozial- und Wirtschaftsproblem", "German
Realities", "German Economy" - eine kritische Wirtschaftsgeschichte
Deutschlands von 1870 bis 1940) von seinem Interesse und Engagement für
die aktuelle Wirtschafts- und Finanzpolitik des deutschsprachigen Raumes. Das
Buch "German Economy" wurde nach dem Tod von Gustav Stolper von seiner
Witwe Toni Stolper ins Deutsche übersetzt und von Karl Häuser und
Knut Borchardt um die deutsche Wirtschaftsgeschichte der 50- und 60er Jahre erweitert.
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