| Tagesspiegel, 23.09.2000
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| Verein für Socialpolitik |
| "Osten braucht Innovationen" |
| Staat soll wirksamer fördern |
| brö |
| Die
ostdeutschen Unternehmen bieten zu wenige innovative und
einzigartige Produkte an, mit denen sie sich auf dem
Weltmarkt profilieren können. Dies sei eine Hauptursache
für die hohe Arbeitslosigkeit im Osten, sagte Karl-Heinz
Paqué, Professor für Wirtschaftspolitik an der
Universität Magdeburg, am Donnerstag in Berlin. Deshalb
müssten im Rahmen des Solidarpakts II Forschung und
Existenzgründungen verstärkt unterstützt werden,
forderte er. Statt der bisher üblichen allgemeinen
Investitionszulage für Unternehmen solle es einen
Zuschuss für Investitionen in Forschung und Entwicklung
geben, die prozentual wesentlich höher liege, regte Paqué
an. Eine Senkung der Löhne in den neuen Bundesländern führe
nicht zu mehr Beschäftigung. Grund: Ein noch stärkeres
Lohngefälle zwischen Ost und West habe die Abwanderung
von insbesondere jungen Arbeitskräften in den Westen zur
Folge. Das aber könne zu sozialen Spannungen führen. Auch Vereinbarungen im Bündnis für Arbeit seien kein Mittel zur Senkung der Arbeitslosigkeit, ergänzte Norbert Berthold, Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Würzburg. Durch den Druck der Globalisierung müssten Unternehmen und Gewerkschaften den Flächentarifvertrag durch dezentrale Lohnverhandlungen ersetzen, sagte Berthold. Denn sowohl Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber seien an stärker differenzierten Löhnen interessiert. Die Bundesregierung müsse diese Entwicklung fördern und tarifrechtliche Schranken abbauen, die dezentralen Lohnverhandlungen entgegen stehen, verlangte er. Jonas Agell, Ökonom an der Universität Uppsala (Schweden) hält dies hingegen für den falschen Weg. Der arbeitsrechtliche Schutz von Beschäftigten und standardisierte Löhne seien mit Leistungen aus einer Sozialversicherung vergleichbar, argumentierte er. Daher seien flexible Arbeitsmärkte nicht immer von Vorteil. |